Jugendkreuzweg in Den Haag

Malieveld

Man kennt es ja von den Pokémonjägern: Mit dem Handy in der Hand laufen sie in der Gegend herum und folgen einem virtuellen Wesen. Am Karfreitag 2021 reihen wir uns ein in die virtuellen Jäger. Doch folgen wir mit unserem Handy keiner Comicfigur, sondern wir folgen Jesus, auf seinem Weg zum Kreuz, mitten in Den Haag.

Es ist schon ein bisschen seltsam, dass sich nur für uns und mitten in der Stadt ein (virtueller) Kreuzweg öffnet. Ein x-beliebiger Spaziergang von unserer Kirche übers Malieveld, die Lange Voorhout bis zum Plein verwandelt sich für uns an diesem Tag zu einer Besinnungstour. Wir kommen zur Ruhe und lernen viel über das Leiden Jesu, aber auch über uns selbst. Wir begegnen Jesus und folgen den Proben für ein Theaterstück.

Auf dem weiten und leeren Malieveld stehen wir in einer virtuellen Menschenmenge, die die Kreuzigung von Jesus fordert. Vor den Türen des OSCE High Commissioner on National Minorities versuchen wir uns in die Lage der Soldaten zu versetzen, die Jesus kreuzigen. Doch wie geht es uns dabei, wie fühlen wir uns? Wofür kämpfen wir im Leben? Was begeistert uns im Leben? Wie vertreten wir unsere Meinung in der Öffentlichkeit? Wie gehen wir mit Trauer, Tod und Leid um? Darüber machen wir uns Gedanken, tauschen uns aus, beten zusammen. Am Ende sitzen wir alle gemeinsam am Tisch, sind Gottes Einladung gefolgt.

Und als wir uns schon mit einem Ende des Kreuzwegs im tristen, kühlen und windigen grau des zweiten Apriltages abgefunden hatten, kam dann doch noch die Sonne hervor und der Himmel riss auf, tauchte das Plein in warmes Licht. Zufall oder nicht, nach Dunkelheit kommt Licht, nach Kälte kommt Wärme, nach Tod folgt Auferstehung. Einen passenderen Abschluss hätte der Karfreitag 2021 für uns nicht finden können.

Auf dem Weg